Licht Kunst Licht AG
Verkehrsbauten

Flughafen Frankfurt, Terminal 3

Frankfurt am Main, Deutschland
Architekten
CHM AIRPORT (Mäckler Architekten), FFM
Bauleitung
Drees & Sommer, FFM
Elektroplaner
Arbeitsgemeinschaft Hans Dönges GmbH / Ingenieur Consult Kröner & Schüler GmbH, FFM
Fertigstellung
2026
Fotos
HGEsch

Licht als Orientierung, Atmosphäre und architektonisches Gestaltungselement – Mehr als 10 Jahre Arbeit am Terminal 3 des Frankfurter Flughafens werden mit einem grandiosen (Licht-) Ergebnis belohnt

Mit der Eröffnung des Terminal 3 am Flughafen Frankfurt wird eines der größten Infrastrukturprojekte Deutschlands und eines der bedeutendsten europäischen Flughafenbauvorhaben der vergangenen Jahre abgeschlossen. Der neue Terminalkomplex erweitert nicht nur die Kapazitäten des internationalen Luftverkehrsdrehkreuzes, sondern setzt auch architektonisch neue Maßstäbe: Das ursprüngliche Konzept basiert auf dem Siegerentwurf des internationalen Wettbewerbs von Foster + Partners und wurde von Christoph Mäckler Architekten gemeinsam mit CHM Airport unter der Leitung von Prof. Christoph Mäckler zur baulichen Realität weiterentwickelt. Im Mittelpunkt steht eine klare, modulare Architektur, die Funktionalität, Orientierung und Aufenthaltsqualität miteinander verbindet und den komplexen Anforderungen eines internationalen Flughafens gerecht wird. Über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren begleitete Licht Kunst Licht das Projekt als verantwortliche Lichtplaner für das gesamte Gebäudeensemble.

In enger Zusammenarbeit mit den ArchitektInnen, FachplanerInnen und dem Bauherrn entstand ein integrales Lichtkonzept, das weit über die reine Beleuchtungsfunktion hinausgeht. Licht strukturiert die großzügigen Raumfolgen, unterstützt die intuitive Orientierung der Passagiere und unterstreicht die architektonische Qualität der weitläufigen Hallen, Marktplätze und Flugsteige mit unterschiedlichen Farbtemperaturen, abgestimmten Beleuchtungsstärken und einer präzisen Lichtlenkung. Zugleich verbindet die Planung höchste Anforderungen an Sehkomfort, Energieeffizienz und Betriebssicherheit mit einer atmosphärischen Inszenierung der Architektur. So wird das Licht zu einem wesentlichen Gestaltungselement des neuen Terminals und prägt maßgeblich das Erlebnis eines der wichtigsten Verkehrsbauwerke Europas.

Ankommende Passagiere werden an der PTS-Station (Passagier-Transport-System), die den Flughafen mit den Frankfurter Regional- und Fernbahnhöfen verbindet sowie den Transport zwischen den Terminals ermöglicht, empfangen. Die linearen, diffusen Leuchtenprofile folgen hier der geradlinigen Architektur und unterstützen die Orientierung bereits bei der Ankunft am Terminal. Neutralweiße Beleuchtung fördert eine ruhige Lichtstimmung bei der Ankunft und führt die Passagiere intuitiv in das Gebäude.

Im Bereich der unteren Vorfahrt für den Autoverkehr rund um den Flughafen wird die markante und massive Betonstruktur durch gerichtete Bodeneinbaustrahler und umlaufendes Streiflicht betont. Dynamisch an das Tageslicht angepasste Farbtemperaturen erzeugen in Kombination mit runden Deckenflutern ein druckvolles, gleichmäßiges Licht auf der Fahrbahn. Die Farbtemperaturen variieren dabei von 2.700 – 6.500 K und ermöglichen damit unterschiedliche Lichtstimmungen für die Deckenunterzüge, vertikalen Y-Stützen sowie die Fahrbahn.

Auf der höher gelegenen Vorfahrtsebene steht der Eingangsbereich mit dem prägnanten, herauskragenden Vordach des Terminals im Fokus. Der Außenbereich wird einerseits durch direktstrahlende Leuchten im Vordach sowie durch die druckvolle Beleuchtung im Innenraum in Szene gesetzt. Die Lichtwirkung erstreckt sich optisch über die Glasfassade hinweg und sorgt dafür, dass das Gebäude von innen heraus strahlt. Ein visuelles Highlight ist der beleuchtete FRA-Schriftzug, der den Zugang zum Terminal zusätzlich markiert. Gegenüberliegend wird die Vorfahrt durch diffus abstrahlende Stelen flankiert, welche die Straßenführung gleichzeitig visuell begrenzen.

Das Konzept mit variablen und an das Tageslicht angepassten Farbtemperaturen setzt sich auch in der großzügigen Check-in-Halle und Ankunftshalle fort und stellt ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal des gesamten Flughafens dar. Warm- und neutralweiße Lichtbereiche strukturieren die weitläufigen Räume, unterstützen die Orientierung und unterstreichen gleichzeitig die räumliche Tiefe sowie die Materialität der Architektur. In der Decke ordnen sich jeweils vier Downlights als Gruppe an und sorgen für eine gleichmäßige Ausleuchtung der Fläche. Durch die identische Deckengestaltung im Vordach kommt es zu einer optischen Verbindung von Innen- und Außenbereich ohne eine offensichtliche Trennung durch die gläserne Fassade. Zusätzlich erfolgt eine Zonierung des Ausgangsbereichs durch in Nischen angebaute oder auf der Wand aufgebaute Strahler.

In sicherheitsrelevanten Bereichen wie der Sicherheitskontrolle steht eine funktionale Beleuchtung im Vordergrund. Hohe Beleuchtungsstärken und neutralweißes Licht (4.000 K) in Form von Lichtlinien an Decke und Wänden gewährleisten optimale Sehbedingungen und geben Orientierung. Zusätzlich werden die Lichtlinien durch direkte Downlights ergänzt, sodass eine gleichmäßige Beleuchtung erzeugt wird. Im Bereich der Passkontrolle wird eine gute Gesichtserkennung mit Hilfe von runden diffus abstrahlenden Deckenleuchten und hohen vertikalen Beleuchtungsstärken erreicht.

Einen starken atmosphärischen Kontrast bildet die Markthalle. Auch hier ermöglicht ein variables Konzept unterschiedliche Lichtszenarien mit Stimmungen zwischen 2.700 K – 6.500 K, die dem Tageslichtverlauf folgen. Die Allgemeinbeleuchtung wird über Wandanbaustrahler realisiert, welche umlaufend dem Deckenoval folgen und die skulptural anmutende Decke bietet den Besuchern einen spannenden und beeindrucken Anblick, der insbesondere durch die Integration von großformatigen Tageslichttrichtern geprägt wird.

Auch in den Piers, Brückenbauwerken sowie den Übergängen zwischen den einzelnen Gebäudebereichen trägt das Licht wesentlich zur Orientierung und zum Raumerlebnis bei. Die Allgemeinbeleuchtung der Piers erfolgt durch gut abgeblendete Downlights im Bereich der Laufwege. Die Fahrstege erhalten eine autarke Handlaufbeleuchtung. Oberhalb der Fahrstege werden bewusst keine Leuchten positioniert, um die Wartung zu erleichtern.

Eine Betonung der Boarding-Bereiche erfolgt durch diffuse, helle Lichtlinien. Diese sind aus dem Raum heraus gut wahrnehmbar, da sie aus der Decke herausragen und damit die Wegeführung erleichtern. Für den Fall, dass die Boarding-Bereiche nicht in Betrieb sind, werden sie ausgeschaltet. Das Zusammenspiel verschiedener Lichtquellen, Farbtemperaturen und Tageslichtelemente schafft klare Wegestrukturen und eine hohe Aufenthaltsqualität.

Im Gepäckausgabebereich führen gezielt inszenierte Treppenanlagen die Passagiere intuitiv durch die unterschiedlichen Ebenen bis in die Gepäckhalle. Die Säulen der Gepäckausgabe werden zum Teil durch große Lichtdecken umfasst, während die kontrastreiche Lichtstimmung die dynamische Architektur untermalt. Zusätzlich wird die Allgemeinbeleuchtung und die gezielte Ausleuchtung der Gepäckbänder über gut entblendete Downlights realisiert. Auch in diesem, zum Großteil tageslichtgefangenen Bereich wird das Beleuchtungskonzept der variablen Farbtemperatur fortgesetzt und die wartenden Passagiere können sich langsam an die Lichtbedingungen im Außenraum adaptieren.

Über mehr als ein Jahrzehnt hinweg war Licht Kunst Licht an diesem bedeutenden Verkehrsbauwerk beteiligt. Das Ergebnis ist ein Lichtkonzept, das Orientierung schafft, Identität stiftet und die Architektur des neuen Terminals nachhaltig prägt.