Licht Kunst Licht AG
Büro- und Verwaltungsgebäude

Am Postbahnhof

Berlin, Deutschland
Bauherr
Postbahnhof Development GmbH
Architekten
driessenarchitekten gmbh, Berlin / &MICA GmbH (ehem. Michels Architekturbüro), Berlin
Innenarchitekten
sbp Seel Bobsin Partnerschaftsgesellschaft kreativer Berater und Designer, Hamburg
Fertigstellung
2025
Fotos
Eibe Sönnecken

Arbeiten im Wandel: Am Postbahnhof Berlin

Der Postbahnhof in Berlin, gelegen im dynamischen Umfeld des Ostbahnhofs und eingebettet in die historisch geprägte Infrastruktur ehemaliger Bahnareale, wurde architektonisch von &MICA und driessenarchitekten zu einem zeitgemäßen Büro- und Gewerbestandort transformiert. Auftraggeber des Projekts ist ein privater Entwickler, der das Ziel verfolgte, die bestehende Substanz sensibel zu behandeln und gleichzeitig neue, flexible Nutzungsqualitäten zu schaffen. Heute vereint das Gebäude Büroflächen, kommunikative Zonen sowie gastronomische Angebote und fügt sich als hybrider Arbeits- und Aufenthaltsort in die sich stetig wandelnde urbane Umgebung ein.

Architektonisch zeichnet sich das Projekt durch den bewussten Umgang mit dem Bestand aus. Die historische Struktur des Viadukts mit seinen Gewölben bleibt ablesbar und wird durch den Ausbau gezielt ergänzt. Die Fassade kombiniert industrielle Anmutung mit zeitgenössischer Präzision, während im Inneren rohe Materialien wie Sichtbeton mit klaren, modernen Einbauten kontrastieren. Besonders prägend ist das zentrale Atrium, das als verbindendes Element zwischen Alt und Neu fungiert und visuelle Bezüge über alle Geschosse hinweg ermöglicht. Der denkmalgeschützte Turm sowie das ehemalige Schienendrehkreuz wurden in das Gesamtkonzept integriert und bilden identitätsstiftende Ankerpunkte.

 

Licht Kunst Licht AG
Licht Kunst Licht AG
Licht Kunst Licht AG
Licht Kunst Licht AG
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Licht Kunst Licht AG
Licht Kunst Licht AG

Das Beleuchtungskonzept entstand unter der Prämisse eines knappen Budgets bei gleichzeitig hohem gestalterischem Anspruch. Daraus entwickelte sich die Idee eines durchgängigen, robusten Systems, das sich flexibel auf unterschiedliche Nutzungen anwenden lässt. Ein zentrales Gestaltungselement ist ein schlankes LED-Schienensystem, das sich als „roter Faden“ durch das gesamte Gebäude zieht.

In den Bürobereichen wurde bewusst eine reduzierte Grundbeleuchtung von etwa 300 Lux vorgesehen, die durch individuelle Tischleuchten der Nutzer ergänzt wird. Dieses Konzept ermöglicht eine budgetgerechte Grundinstallation und überlässt gleichzeitig den Nutzern die Feinjustierung ihrer Arbeitsumgebung.

Das Atrium stellt das Herzstück des Gebäudes dar und verlangt sowohl funktionale Flexibilität als auch eine repräsentative Wirkung. Hier wurde ein LED-Schienensystem in überlagerten Ebenen und teils gegenläufigen Ausrichtungen angeordnet – sowohl in eingeschossigen als auch in zweigeschossigen Bereichen. Die Bestückung variiert zwischen indirekten Lichtanteilen, akzentuierenden Strahlern sowie einer diffusen Optik. So entsteht eine lebendige, atmosphärische Lichtlandschaft, die neben dem täglichen Betrieb auch besondere Anlässe wie Abendveranstaltungen unterstützt.

Eine besondere Herausforderung stellten die Aufzugsvorräume dar: niedrige Deckenhöhen von etwa 2,20 m in Sichtbeton sowie die vollständige Einsehbarkeit aus dem Atrium durch großflächige Verglasungen. Die Lösung liegt in einer präzisen, grafischen Anordnung flacher, diffuser LED-Linien an der Decke, die sich konsequent über alle Geschosse hinweg fortsetzt. Diese klare Formensprache wird im Fluchttreppenhaus weitergeführt, wo die linearen Lichtbänder entlang der inneren Unterkante der Treppenläufe vom Untergeschoss bis ins Dachgeschoss verlaufen und so Orientierung und Identität zugleich schaffen.

In den angrenzenden Viaduktgewölben wird das Schienensystem aus dem Atrium weitergeführt und adaptiert. Pro Gewölbeeinheit strukturieren zwei Lichtachsen den Raum, jeweils mit indirektem Lichtanteil sowie nutzungsspezifischen Einsätzen: arbeitsplatztaugliche Beleuchtung in den Bürobereichen sowie akzentuierende Strahler oder Pendelleuchten im Café. Die Rückwand des Atriums, die von außen durch die Gewölbe einsehbar ist, erhält eine besondere Bedeutung und wird gezielt inszeniert. Abweichend vom ursprünglich geplanten farbvariablen Streiflichtkanal kommt hier eine nutzerspezifische Wand-Lichtinstallation zum Einsatz.

In der Nacht entfaltet das Gebäude seine Wirkung vor allem aus dem Inneren heraus. Die Beleuchtung lässt das Haus ruhig und selbstverständlich im städtischen Kontext erscheinen, ohne aufdringlich zu wirken. Ergänzend dazu setzen gezielte Akzente im Außenraum markante Punkte: Der denkmalgeschützte Turm wird subtil hervorgehoben, das ehemalige Schienendrehkreuz durch eine Unterleuchtung inszeniert. Die Durchfahrt durch das Viadukt wird durch präzise gesetzte Downlights strukturiert, die die Gewölbegeometrie betonen und gleichzeitig eine sichere und angenehme Passage ermöglichen.

So entsteht ein ganzheitliches Lichtkonzept, das mit einfachen Mitteln eine hohe räumliche Qualität erzeugt und den Charakter des Ortes stärkt.