NIEDERSÄCHSISCHER LANDTAG, Hannover

 

Architekten:   blocher partners, Stuttgart
Bauherr:   Staatliches Baumanagement Hannover
Nutzer:   Niedersächsischer Landtag
Fertigstellung:   2017
Projektgröße:   11.200 m²
Bauvolumen:   58,2 Millionen Euro
Beleuchtungsetat:   650.000 Euro
Fotos:   Henning Stauch

 

Demokratie in neuem Glanz – Sanierung des Niedersächsischen Landtags in Hannover


Modern, transparent und sehr hell, so stellt sich der sanierte Landtag in Hannover dar.
Das vom Architekten Dieter Oesterlen 1962 geschaffene Gebäude wurde durch das Büro blocher partners aus Stuttgart denkmalgerecht umgebaut. Die Fassade sowie die Kubatur wurden dabei originalgetreu belassen, im Inneren jedoch erhielt die Moderne Einzug.

Die wesentliche Neugestaltung liegt in der Ausrichtung und Anordnung des neuen Plenarsaales. Wo sich der alte Saal nach außen noch abgeschlossen präsentierte, spiegelt sich im neuen Saal der aktuelle Zeitgeist nach Offenheit und Transparenz wider. Der Saal wurde um 180° gedreht und hat durch die bodentiefen Fensterflächen zum Platz der Göttinger Sieben einen direkten Außenraumbezug erhalten. Diese Transparenz setzt sich im weiteren Gebäudeverlauf fort. So gibt es heute von der großzügigen, freundlichen Vorhalle im Portikus zum Plenarsaal eine direkte Sichtverbindung. Die Durchgängigkeit in der Gebäudestruktur wird durch das Lichtkonzept gestärkt. Das gewählte Downlightraster erstreckt sich über alle Gebäudeteile bis in den Plenarsaal. Die Achsen der Leuchten vermitteln somit gleichzeitig zwischen den Zugängen und den benachbarten Bauteilen. Hierbei haben sowohl die Downlights als auch die vereinzelt zur Akzentuierung eingesetzten Richtstrahler alle die gleiche Bauform; sie unterscheiden sich lediglich im Lumenstrom.

Die konsequente Struktur der Downlights wird immer wieder durch grafische Lichtlinien aufgelockert. Das Licht folgt hierbei den architektonischen Vorgaben, indem die Deckenöffnungen mit Lichtbändern umfasst werden. Im Plenarsaal werden somit die Nussbaumoberflächen betont, die dem Saal eine warme Rahmung geben. Als besonderen Kontrast, aber auch als Markierung des eigentlichen Zentrums des Raumes, dient die farbtemperaturveränderliche, ovale Lichtdecke.

Zur Betonung der architektonischen Fuge zwischen dem historischen Schlossbau und dem Plenarsaal wurden die Galerie und das Oberlicht zusätzlich mit einer in die Stirnfläche integrierten, linearen Lichtkomponente versehen. Diese versorgen die gegenüberliegende Wandfläche mit dezentem, diffusem Licht. Dadurch wird die optische Trennung der beiden Gebäudeteile zusätzlich unterstützt.

Der von den Architekten vorgegebenen Form- und Materialsprache folgend werden die eingestellten Kerne mit Licht umrahmt. Die Lichtqualität betont dabei die Materialität und Struktur der Wandflächen. Das zum Einsatz kommende Streiflicht schafft zudem eine deutlich ablesbare helle Bodenzone, welche auch zur Nutzlichtbeleuchtung herangezogen wird.

In der Portikushalle sind die engstrahlenden Leuchtenmodule in die hellen Stahlschwerter der Dachkonstruktion integriert, so dass sie optisch nicht in Erscheinung treten. Die Halle präsentiert sich somit als offener und lichter Raum, der für verschiedene Veranstaltungen genutzt werden kann.