NEUE GALERIE, Kassel

 

Awards:
Preisträger Museen 2013
Der Deutsche Lichtdesign-Preis

Architekten:   Staab Architekten GmbH, Berlin
Bauherr:   Land Hessen vertreten durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst vertreten durch das Hessische Baumanagement (hbm), Regionalniederlassung Nord
Nutzer:   Museumslandschaft Hessen Kassel
Fertigstellung:   2011
Projektgröße:   3.800 m²
Bauvolumen:   25 Millionen Euro
Beleuchtungsetat:   0,9 Millionen Euro
Fotos:   Werner Huthmacher

 

Publikation:

 

 

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Die Neue Galerie Kassel erstrahlt mit komplett saniertem Gebäude


Im Entree sorgen Oberlichter und Wanddurchbrüche für einen lichten und offenen Raumeindruck mit außergewöhnlichen Sichtachsen. Unterstützt wird die großzügige und einladende Atmosphäre durch eine differenzierte Lichtlösung. Während druckvolles brillantes Licht aus Downlights die drei Ebenen des Foyers zusammenführt, laden einzelne in warmweißer Lichtfarbe erhellte Zonen zum Verweilen ein. Die Kasse und den Shopbereich überspannt ein großes Lichtdeckenfeld, das die vorhandenen Tageslichtöffnungen zitiert und den zentralen Anlaufpunkt für Besucher deutlich markiert.

Eine Prämisse bei der Planung der Lichtdecken für die fünf Oberlichtsäle im ersten Geschoss lautete, das natürliche Licht nicht auf einen völlig statischen, leblosen Level zu regulieren, sondern seine Dynamik im Innenbereich erlebbar zu machen. Durch die geschickte Auswahl und Kombination von Entblendungs-, Verdunklungs-, und Streuvorrichtungen kann der Galeriebesucher durch den Deckenaufbau hindurch schemenhaft den Himmel und vorbeiziehende Wolken ahnen. Oberhalb der raumseitigen Staubdecke liegen Lichtbänder, die durch hochwirksame Reflektorlichtleisten eine gleichmäßige Ausleuchtung des Raumes und der Wände bewirken. Während des Tages werden sie allerdings lediglich genutzt, um im Bedarfsfall das Tageslichtangebot zu ergänzen. Eine Lichtsteuerung, die an die zentrale Gebäudesteuerung angebunden ist, stimmt das Kunstlicht permanent auf das Tageslichtangebot ab und regelt – für den Betrachter unmerklich – den Lichtstrom der Leuchten. Zusätzlich sind in die Lichtdecke Auslasspunkte für Strahler integriert, die je nach Ausstellungskonzeption einzelne Exponate hervorheben können.

Im Nordwesten flankiert eine Raumabfolge aus fünf Kabinetten die drei zentralen Ausstellungssäle im Erdgeschoss. Die etwa je 20 Quadratmeter großen Räume werden von Kuppeln überspannt, in deren Scheitelpunkt ein flächiges, rundes Lichtelement abgependelt ist. Diese Sonderleuchte greift die Idee einer Lichtdecke auf. Nach unten schließt eine Spannlichtfolie den flachen Leuchtenkörper ab, nach oben erhellen die freistrahlenden Leuchtmittel die Decken. Die in den Kabinetten gezeigten Gemälde erhalten durch die direkt/indirekte Abstrahlung eine gleichmäßige Ausleuchtung.

Die meisten Ausstellungsräume der Neuen Galerie werden durch eine deckenintegrierte Lichtlösung erhellt. In regelmäßigem Abstand zu den Wänden zeichnet ein in die Raumdecke eingelassener Rücksprung die Raumkontur nach. In dem Kanal befinden sich Linear-Wallwasher und eine Stromschiene. Während erstere absolut homogen die Wände fluten, kann die Stromschiene bei Bedarf zusätzliche Einzelleuchten aufnehmen.

Die Wandelhallen im Erd- und Obergeschoss beeindrucken einzig durch ihren wunderschönen Blick auf die Karlsaue und ihre architektonischen Eleganz. Rund 40 Meter reihen sich offene Gewölbeabfolgen hinter großen Bogenfenstern aneinander.
Wenn sich das reichlich vorhandene, mit starken Kontrasten spielende Tageslicht am Abend aus den Wandelhallen zurückzieht, dann tritt an seine Stelle ein mildes, zurückhaltendes Licht aus wandgebundenen Direkt-Indirekt-Leuchten und schafft eine warme, behagliche Atmosphäre.