MUCEM – MUSÉE DES CIVILISATIONS DE L'EUROPE ET DE LA MÉDITERRANÉE

 

Architekten:   Rudy Ricciotty architecte, Bandol
Ausstellungsplaner:   Studio Adeline Rispal, Paris
Bauherr:   O.P.P.I.C. Département Opérationnel A
Nutzer:   Musée des civilisations de l'Europe et de la Méditerranée
Fertigstellung:   2013
Projektgröße:   2.000 m²
Ausstellungsetat:   5,6 Millionen Euro
Beleuchtungsetat:   0,5 Millionen Euro
Fotos:   Studio Adeline Rispal photo Luc Boegly 4-9
Sabine Lacombe 1-2

Stephanie Grosse-Brockhoff 3

 

Diaphanes Raumgefüge – Das Musée des Civilisations de l'Europe et de la Méditerranée (MuCEM)


Anlässlich seiner Ernennung zur Kulturhauptstadt Europas 2013 hat die Hafenstadt Marseille ihr Kulturangebot um eine Reihe prominenter Museumsbauten erweitert. Malerisch am Pier J4 gelegen, und mit dem historischen Fort St. Jean durch eine schmale Fußgängerbrücke verbunden, befindet sich das MuCEM direkt an der Mittelmeerküste. Nicht nur durch seine besondere Lage ist das Musée des Civilisations de l'Europe et de la Méditerranée, erbaut von Rudy Ricciotti, der vielleicht charismatischste Neuzugang in Marseille's Architekturwelt. Der diaphane Glasbau wird an drei Seiten von einer Mashrabiya-artigen Betonnetzstruktur umfangen, die aus der Nähe betrachtet an Meereswellen erinnert. Im Erdgeschoss des vierstöckigen Gebäudes befindet sich die in einer Dauerausstellung aufgenommene umfängliche Sammlung des MuCEM. Das Studio Adeline Rispal hat dieser Ausstellung auf sensible und leichtfüßige Art und Weise Struktur und einen museographischen Rahmen verliehen.

Organisiert in 4 sogenannten Singularitäten widmet sich die Ausstellung den Themen Landwirtschaft, die drei monotheistischen Religionen, Bürgerschaft und Menschenrechte sowie der Seefahrt. Architektonisch werden die ausgedehnten Raumfluchten durch die stark betonten Rippen der Fertigteilbetondecke sowie den Blick auf die diaphane Fassadenstruktur bestimmt. Die Ausstellungsgestaltung sieht eine umsichtige Besucherführung durch Möbel und Storen vor, die dennoch stets die Weite des Raumes erlebbar lässt.

Die Museographie und die Beleuchtung binden hierbei gleichsam an die Deckenvouten an, die zwischen den Rippen der Fertigteilbetondecke entstehen. Die alkoven-artig ausgeprägten Vouten nehmen Bogenrahmen auf, die einerseits Tragrahmen für Storen und Kunst aufnehmen, andererseits aber auch Beleuchtungselemente. Stromschienenstrahler koppeln über eine modifizierte Befestigung direkt an die Bogenrahmen an. Dabei ist die Position des Strahlers auf dem Bogensegment frei wählbar und individuell auf Ausrichtung und Ausstrahlwinkel der Strahler adaptierbar. Die Ankopplung an die verdeckt montierte Stromschiene erfolgt über eine verlängerte Kabelführung. Die LED-Strahler sind zwischen 10° und 65° fokussierbar und mittels Drehpotentiometer am Gehäuse stufenlos dimmbar. Vorderseitig angebrachte Abblendklappen konzentrieren die Lichtführung auf das Exponat und begrenzen die Einblendung der Voutenflanken.

Zum überwiegenden Teil werden so die Exponate aus der Decke heraus beleuchtet. Einzelne Vitrinen erfahren jedoch eine besondere Behandlung mit Licht. Tischvitrinen, zum Beispiel, enthalten ausgewählte Exponate, die seitlich aus der Vitrinenflanke heraus beleuchtet werden. LED-Lichtleisten sind hierzu verdeckt hinter einer satinierten Fläche angeordnet. Auch in der „Mur des Portraits" (Portraitwand) erfahren die darin ausgestellten Büsten eine seitliche Beleuchtung mittels verdeckt montierter LED-Linien.

Amphoren und Behältnisse werden nicht nur von oben erhellt. Um die detailreiche Gestaltung der Keramiken von allen Seiten erlebbar zu machen, sind hier auch die Sockel lichtaktiv. Ein Cabinet des Curiosités (Kuriositätenkabinett) nimmt Sammelgut aus aller Welt auf – Textilien, Gewürze, Tierpräparate, und manches mehr. Hier geht eine Anordnung aus verborgen montierten linearen Leuchten und LED-Miniaturstrahlern individuell auf die Exponate ein. Die Miniaturstrahler sind mit einem Magnetfuß versehen und koppeln flexibel an ein eigens dafür vorgesehenes Metall-Chassis an. Dieses ist bündig in einer Nut an der Vitrinenoberseite eingelassen.

So entsteht eine ruhige Rauminszenierung, die eine Vielzahl unterschiedlichster Exponate sorgsam herausarbeitet und dabei zugleich das diaphane Raumgefüge erhält und betont.