KOHLENWÄSCHE, ZECHE ZOLLVEREIN, Essen

 

Awards:
Award of Merit 2007
IIDA International Illumination Design Awards
Illuminating Engineering Society of North America

Award of Excellence 2006
GE Edison Awards

Architekten:   O.M.A. Office for Metropolitan Architecture, Rotterdam
Heinrich Böll Architekten, Essen
Bauherr:   EGZ Entwicklungs-Gesellschaft Zollverein mbH
Nutzer:   RuhrMuseum
Fertigstellung:   2006
Projektgröße:   21.600 m²
Bauvolumen:   45 Millionen Euro
Beleuchtungsetat:   1 Million Euro
Fotos:   Thomas Mayer   1-6, 7l, 8-9, 10r, 11
Luc Bernard        7r, 10l

Publikation:
 
Werkbericht - Licht Kunst Licht 2  >>
     
     




Bewahren und Wandeln: die Kohlenwäsche auf der Zeche Zollverein


Die Kohlenwäsche – das war damals ein sich über viele Etagen hinziehender Maschinenpark, heute ist es ein multifunktionales Gebäude. Mit Besucherzentrum, Ausstellungsräumen, Werkstätten und Depots, Veranstaltungssaal, aber auch dem alten Maschinenpark ist es zentraler Anlaufpunkt bei der Erkundung des UNESCOWeltkulturerbes Zollverein und der Region Ruhrgebiet.Die Kohlenwäsche ist der größte Baukörper inmitten der Übertage- Anlagen von Schacht XII. Auf einer Grundfläche von circa 90 x 30 m erhob sie sich auf massiven Betonstützen in bis zu 37 m Höhe.

Die brachiale Architektur des Gebäudes, welches die Hülle für die gewaltige Maschinerie der Kohlenwäsche bildet und teilweise sogar mit ihr verschmilzt, besticht durch ihre funktionale Ästhetik. Die Atmosphäre des Ortes erzählt noch immer von dem Lärm, der Kühle und vor allem der Feuchtigkeit, durch die er zu Betriebszeiten bestimmt war. Seitlich einfallendes Tageslicht tauchte die gesamte Szenerie früher in einen kühlblauen Dunst. Diese Stimmung zu transportieren und sie zu interpretieren, ist die Grundlage des Beleuchtungskonzeptes. Das artifizielle Licht wird nicht als solches wahrgenommen, sondern als natürliche Gegebenheit angenommen. Die flächige gleichmäßige Beleuchtung, deren Lichtquelle nicht ortbar ist, integriert sich unauffällig in das Gesamtbild. Sie tritt nicht in formale Konkurrenz zu dem Industriedenkmal, dessen Vergangenheit assoziativ gegenwärtig bleibt. Die Architekturbeleuchtung wird ergänzt durch eine Familie von Theaterlichtscheinwerfern, die zur Ausleuchtung des Maschinenparks innerhalb des Gebäudes dient.

Der externe Zugang zur Kohlenwäsche erfolgt über eine spektakuläre, fast 100 m lange Gangway. So wie Förderbänder die Rohkohle an den hoch gelegenen Startpunkt des Bearbeitungsprozesses transportierten, so fahren die Menschen heute über eine außenliegende verglaste Rolltreppenanlage zum Besucherzentrum in 24 m Höhe. Eine in die VSG-Scheiben der Rolltreppenwangen integrierte Farbfolie sorgt für eine vollständige Einfärbung des Leuchtstofflampenlichtes mit dem Ergebnis, dass sich der gesamte Gangway-Raum als gesättigter Farbraum präsentiert. Es entsteht ein Lichtspiel, das die Besucher ab der Dämmerung in farbiges Licht taucht und als eingefärbte Figuren zeigt.

Das Haupttreppenhaus führt durch den ehemaligen Rohkohlebunker, einen die Kohlenwäsche um 10 m überragenden Vorbau am Giebel. Der Raum soll gleichzeitig auch als Ausstellungsraum dienen können. Somit galt es, ein Beleuchtungskonzept zu realisieren, das eine künstlerische Bespielung [z. B. für Videokunst] dieses ehemaligen Silo-Hohlraumes weiterhin ermöglicht. Die Lichtführung konzentriert und reduziert ausschließlich auf die minimale Anforderung. So werden jede einzelne Treppenstufe sowie die Handlaufführung über jeweils durchgängige, indirekt wirkende LED-Profile ausgeleuchtet.

Entgegen dem ehemaligen in der Nacht schwarz anmutenden Areal der Zeche Zollverein sieht das Außenbeleuchtungskonzept ein freundliches, auf den Betrachter zukommendes und sich ihm öffnendes Areal vor, das zu einem behaglichen, nächtlichen Spaziergang einlädt.