JÜDISCHES GEMEINDEZENTRUM MIT SYNAGOGE, Regensburg

 

Architekten:   Staab Architekten GmbH, Berlin
Bauherr:    Jüdische Gemeinde Regensburg
Förderverein:   Förderverein Neue Regensburger Synagoge e.V.
Landschaftsplanung:   Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, Berlin
TGA-Planer:   WBP Winkels Behrens Pospich, Münste
Tragwerksplaner:   Drexler+Baumruck, Straubing
Fertigstellung:   2019
Projektgröße:   1.700 m²
Fotos:   Marcus Ebemer

 

 

Jüdisches Gemeindezentrum mit Synagoge, Regensburg


Nach knapp dreijähriger Bauzeit ist 2019 im Herzen der Regensburger Altstadt mit dem Jüdischen Gemeindezentrum das historische „Sakrale Dreieck“ aus katholischem Dom, protestantischer Neupfarrkirche und jüdischer Synagoge wieder zu Vollständigkeit gelangt. Der von Staab Architekten, Berlin mit meditativer Klarheit konzipierte Neubau integriert den schönen Altbaubestand und ergänzt ihn durch eine magisch lichtdurchflutete Synagoge sowie weitere einladende Räumlichkeiten für die inzwischen angewachsene jüdische Community in Regensburg.

Im Jahr 2015 konnte das Team von Staab Architekten den beschränkten Realisierungswettbewerb der Jüdischen Gemeinde in Regensburg für sich entscheiden.

In den Räumlichkeiten des Neubaus ist die Beleuchtung stets integriert und verborgen. Gut abgeblendete Deckeneinbauleuchten begleiten die Regale der Bibliothek, aber auch die Flure und Schulungsräume.

Der im Erdgeschoss angeordnete Gemeindesaal bedient eine Fülle unterschiedlicher Funktionen, von Vorträgen über Lesungen, Feiern, Gemeindeversammlungen bis hin zu Musikveranstaltungen. Die Innenausstattung des Raumes ist somit ganz auf Multifunktionalität und Flexibilität zugeschnitten.

Zugleich war es den Gestaltern wichtig, die Ruhe und Klarheit des Gebäudes auch hier zu bewahren und nicht durch unterschiedliche Installationen zu überlagern. Die Lösung war eine Kassettendecke, deren Position und Kontur der Kassettendecke den darüber liegenden Synagogenraum widerspiegelt. In ihren Hohlräumen nimmt sie Brandmelder, Lautsprecher und Sprinkler auf. Ein weißes Gitter schließt die Kassetten nach unten hin optisch ab – durchlässig für Licht und Luft, jedoch gleichzeitig eine Fläche, die etwaige technische Elemente verbirgt.

Mittig in jeder Kassette befindet sich je eine einfache E27-Fassung mit LED-Retrofit Lampe. Diese Leuchten erzeugen die allgemeine Helligkeit im Raum. Sie geben den vertikalen Flächen der darunter angeordneten Gitterdecke eine weiche Lichtpräsenz. Durch die Multiplikation der Kassetten und ihrer Lichtpunkte entsteht so eine rhythmisch modulierte Lichtdecke, die mit einfachsten Mitteln eine große perspektivische Kraft entfaltet.

In der 1. Etage befindet sich der zweigeschossige Synagogenraum mit seiner Empore. Der städtebaulich wirksame Baukörper liegt an der Südost-Ecke des Neubaus und bildet einen massiven Kubus mit einer flachen Holzkuppel.

Zur Kunstlichtinszenierung ist entlang der inneren Dachkante ein umlaufender, kraftvoller, engstrahlender Streiflichtkanal in 2.700 K vorgesehen. Dieser ist in einer Vertiefung oberhalb des Fensterbandes versteckt und ist in seiner Länge gestückelt, um die sanfte Wölbung der Kuppel störungsfrei nachzuzeichnen.

Das Nutzlicht der Synagoge wird durch Pendelleuchten erzeugt. Diese bilden innerhalb der umlaufenden Emporen-Galerie ein Feld, das die Wölbung der Kuppel in gespiegelter Form nachzeichnet. Die diffusen Zylinder blenden den Raum weich ein, erhellen die Gesichter und Gesangsbücher der Gläubigen und erreichen auch den Raum unter der Empore.

Durch die Wechselwirkung aus gerichteter Lamellenhinterleuchtung und weichem Raumlicht entsteht eine Vielschichtigkeit, die durch die Bespielung der verschiedenen Komponenten die Schaffung unterschiedlicher Stimmungen erlaubt.
Mit Ausnahme der Lamellenhinterleuchtung ist die Lichtfarbe in der Synagoge – wie im gesamten Haus – in 3.000 K gehalten.

 

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