UNIVERSITÄTSGEBÄUDE, CAMPUS WESTEND, Frankfurt am Main

     
Architekten:   Thomas Müller Ivan Reimann Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
Bauherr:   Land Hessen, vertreten durch das Hessische Baumanagement
Nutzer:   Goethe-Universität Frankfurt am Main
Fertigstellung:  

2008 (RUW)

2013 (PEG)

Projektgröße:  

30.000 m² (RUW)

41.700 m² (PEG)

Bauvolumen:  

53 Millionen Euro (RUW)

96 Millionen Euro (PEG)

Fotos:   Stefan Müller

 

Publikation:

 

 

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Willkommen in der Wissensstadt - Universitätsgebäude auf dem Campus Westend


Er gilt als größte Bildungsbaustelle Deutschlands: Der Westend-Campus der Goethe-Universität in Frankfurt. Mit dem Fakultätsgebäude für die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften (RUW) von 2008, dem Institutsgebäude für Psychologie, Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften (PEG) sowie dem Präsidium im Jahr 2013 wurden drei weitere Gebäude des groß angelegten Entwicklungsprojekts ihrer Bestimmung übergeben. Das vielseitige Raumprogramm mit Hörsälen, Foyers, Seminarräumen und Bibliotheken stellte ganz unterschiedliche Aufgaben an die Lichtplanung.

Das Selbstverständnis, mit dem sich die Gebäude des Campus in das Ensemble einfügen, war auch das Leitmotiv für das Kunstlichtkonzept, welches sich mal sichtbar, mal unsichtbar, aber immer passend zur Architektur und den Nutzungen der Räume einbringt. So unterstützt das Lichtkonzept die großzügige und elegante Wirkung des zweigeschossigen Foyers, indem es der salongrün gehaltenen Decke mit runden Deckenvouten ein historisierendes Motiv verleiht. Der Überhang zwischen Deckenöffnung und Decke ist dabei weich abgerundet, wie auch die eingesteckte, massiv wirkende Holzbrüstung abgerundete Ecken besitzt. Winzige, flächenbündig eingebaute Downlights sorgen in der Mittelzone darüber hinaus für das notwendige und stimmungsreiche Nutzlicht. Auch die umlaufenden Galerien und das Erdgeschoss werden mit Downlights und Downlightwandflutern beleuchtet. Diese Bereiche nehmen sich damit bewusst zurück, um der mittigen Raumgestaltung nicht die Schau zu stehlen. Die Gesamtwirkung des Foyers ist als moderne Reminiszenz an das Foyer des ehemaligen IG-Farben-Hauses zu verstehen, das den südlichen Abschluss des Campus bildet – irgendwie opulent, aber ohne überzogen oder historisierend zu wirken.

Die Obergeschosse mit den Einrichtungen der Fachbereiche und Seminarräumen werden über zwei großzügige, an das Foyer angrenzende Treppenräume erschlossen. Der Treppenlauf des Haupttreppenhauses ist dabei als freistehende Stahlkonstruktion in die raumgebende Hülle eingestellt. Unterseitig beherbergt ein Versprung zwischen der Holzverkleidung und der Treppenuntersicht eine Lichtvoute, die sich einheitlich rund um alle Treppenuntersichten zieht, und der Treppe damit skulpturale Kraft verleiht.

Aus statischen Gründen nicht ganz in die Betondecken integrierbar, kommen Downlights als Ergänzung in den verbleibenden Flächen zum Einsatz. Der Wechsel von Licht aus Linien und Punkten sorgt einerseits für ein Grundlichtniveau in allen Bereichen, beugt andererseits aber einer zu großen Monotonie und Sachlichkeit vor. Für Aufenthaltsqualität und die nötige Bindung an die Lese- und Arbeitsplätze sorgen zudem schlichte, schnörkellose Leseleuchten, die sich am Platz nach Belieben schalten, drehen und kippen lassen und die Tische gezielt überall dort auf die geforderten 500 Lux bringen, wo dies nötig ist.

 Die zwei ausgebildeten Innenhöfe des PEG spielen eine herausragende Rolle in der Gebäudekonzeption, denn die verschiedenen Blickwinkel zeigen wie sehr Innen- und Außenraum voneinander profitieren. So fällt der Blick vom Innenhof auf eine offen und transparent wirkende Bibliothek mit warmer und einladender Licht- und Farbgebung. Noch tragender wird die Synergie, wenn man von der Bibliothek nach draußen blickt, denn hier offenbart sich erst die unglaublich große Dimension der gewählten Fensterflächen. Fast über die gesamte zweigeschossige Höhe gehen die Verglasungen und wecken beinahe das Gefühl, man säße im Freien.

Die Decke besitzt dynamisch gefaltete Oberlichter, die sich wie ein Relief zu einem Feld mit spannenden Tageslichtverläufen formieren und bei Sonnenlicht mit spannenden Licht und Schattenspielen das Foyer heiter und lebendig wirken lassen. Aber auch bei Nacht bleibt die Decke im Mittelpunkt der Gestaltung, denn im Lichtkonzept ist ein umlaufendes Lichtband kurz unter den Oberlichtprofilen integriert. Es inszeniert nicht nur die Struktur des raumprägenden Reliefs, sondern trägt zudem nicht unwesentlich zur Erfüllung der Nutzbeleuchtungsstärke bei.

Eingerahmt und abgerundet wird dieses Szenario im Erdgeschoss durch die intensiv mit Streiflicht beleuchtete strukturierte Betonwand, die das Foyer umgibt. Ein Lichtkanal blendet die Flächen lebendig und plastisch ein. Ein Teil seines Licht-stroms zeichnet in Wandnähe eine umlaufende Kontur auf den Boden. Das Licht sorgt so dafür, dass das große Raumvolumen einfach erfassbar ist und schafft Orientierung. Unter der umlaufenden Galerie ist der Lichtkanal die einzige Lichtquelle, was zu einer entsprechend eindrucksvollen Dramaturgie führt.