U-BAHNHOF DER LINIE 5 – ROTES RATHAUS, Berlin

 

Architekt:   Collignon Architektur und Design GmbH, Berlin
Bauherr:   Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)
Fertigstellung:   2020
Projektgröße:   8.000 m²
Fotos:   Frieder Blickle



 

 

Geschichtsträchtige Bausubstanz und Funktionale Ästhetik im U-Bahnhof Rotes Rathaus

Im Jahr 2010 wurden unterirdische Überreste des Berliner Rathauses aus der Gotik gefunden, die möglichst erhalten und in den Planungsentwurf mit einbezogen werden sollten. Dies führte zu einer mehrfachen Überarbeitung des Entwurfs und letztlich zu der Entwicklung von Pilzstützen in Anlehnung an das ursprüngliche Deckengewölbe sowie zum Einsatz von Materialen, die ebenfalls an die gotische Historie erinnern.

Der neue Bahnhof wurde farblich in schlichtem Schwarz und Weiß gestaltet, während polierte Terrazzofliesen für ein elegantes Erscheinungsbild sorgen. Die Treppenabgänge sind bewusst in dunklen Farben gehalten, um eine gewisse Dramatik zu erzeugen, die beim Betreten der 140 m langen Bahnhofshalle in einem strahlend lichtdurchfluteten Empfang mündet. Auch die verglaste Galerie, die die beiden U-Bahngleise miteinander verbindet, sorgt für ein offenes und belebtes Erscheinungsbild des Bahnhofs.

Die anfänglichen Überlegungen, das Licht in die Fugen zwischen Pilzstützen und Decke zu integrieren, mündeten schließlich in der strikten Reduktion des Konzeptes auf funktionale Downlights, denn durch die Rückreflektion des gerichteten Lichts auf den hellen Boden konnte eine hohe Menge Streulicht kalkuliert werden. Somit erscheinen bei der verwendeten Lichtfarbe von 3.000 K nicht nur die Decke und die Wände hell und strahlend – vielmehr ergibt sich ergänzend zur Helligkeit auch ein für Verkehrsbauten unübliches Maß an Brillanz und Eleganz.

Das Prinzip erstreckt sich weiter auf die benachbarten Bereiche, wie die Verbindungsgalerie zwischen den Gleisen. Von dort genießen die Passanten einen außergewöhnlichen Blickwinkel über den Bahnhof, begleitet von einer Beleuchtung mit Downlights mit breiterer Streuung bedingt durch die niedrigere, eingeschossige Deckenhöhe. Durch die weitwinklige Perspektive entsteht ein offener, übersichtlicher Eindruck der Umgebung. Lediglich im Bereich der Treppenabgänge wurde mit Leuchten im Handlauf anstelle von Downlights gearbeitet, um den Passanten auch im unterirdischen Raum ein Gefühl von Orientierung und Sicherheit zu vermitteln.

Eine fantastische Synergie aus Raum und Licht, erzeugt durch ein denkbar simples Konzept, gibt dem Projekt am Ende das entscheidende Etwas. Die kompromisslose Umsetzung der visuellen Stringenz sorgt schließlich dafür, dass kein Zweifel an ihrer puren Absicht aufkommt. Insgesamt hat der U-Bahnhof Rotes Rathaus nicht nur verkehrstechnisch eine große Bedeutung für die Hauptstadt erlangt, sondern stellt auch in ästhetischen Belangen eine vorbildliche Gestaltung im Stadtbild dar.

 

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