LICHT KUNST LICHT 4 - LICHTDESIGN FÜR ARCHITEKTUR

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Seit dem Jahr 2005 publiziert Licht Kunst Licht seine realisierten Projekte in Form von Werkberichten. Der jetzt vorliegende vierte Band setzt diese gute Tradition fort und dokumentiert in 17 ausgewählten Projekten die hohe gestalterische Qualität und die lichttechnische Kompetenz in den Entwürfen des Lichtplanungsbüros. Dieses Buch ist aber auch ein ganz besonderer Meilenstein, denn es erscheint pünktlich zum 25-jährigen Bestehen des Büros Licht Kunst Licht.

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Im aktuellen Buch werden die folgenden Projekte ausführlich vorgestellt:

 

STÄDELSCHES KUNSTINSTITUT UND STÄDTISCHE GALERIE
Frankfurt am Main

THYSSENKRUPP QUARTIER
Essen

LWL-MUSEUM FÜR KUNST UND KULTUR
Münster

GIESSHALLE SAYNER HÜTTE
Bendorf

KUNSTMUSEUM AHRENSHOOP
Ahrenshoop

RICHARD-WAGNER-PLATZ
Leipzig

BOULEVARD BERLIN
Berlin

DRACHENFELSPLATEAU
Königswinter

DOMFORUM
Köln

HOTEL & SPA ABADIA RETUERTA LEDOMAINE
Sardón de Duero, Spanien

NEUE GALERIE
Kassel

MUSEUM DER BAYERISCHEN KÖNIGE
Hohenschwangau

U-BAHNHOF BRESLAUER PLATZ
Köln

INNENMINISTERIUM BADEN-WÜRTTEMBERG
Stuttgart

KOLUMBARIUM LIEBFRAUENKIRCHE
Dortmund

UNIVERSITÄTSGEBÄUDE, CAMPUS WESTEND
Frankfurt am Main

KONFERENZZENTRUM
München

 

 

Anlässlich des Jubiläums sprach Andrea Rayhrer mit Andreas Schulz über die Anfänge vor einem Vierteljahrhundert, die Konstanten in der Arbeit des Büros, aber auch über die Veränderungen und Perspektiven im Dialog von Architektur und Lichtdesign.

 

ANDREA RAYHRER: Wie hat eigentlich alles angefangen und wie hast du zum Thema Licht gefunden?

 

ANDREAS SCHULZ: Als studierter Elektroingenieur mit einer Affinität zur Architektur und zu den Schönen Künsten habe ich mich in der Elektrotechnik nicht wirklich wohl gefühlt. Zu dieser Zeit gab es in Deutschland noch keinen Studiengang, der sich intensiver mit dem Thema Lichtgestaltung beschäftigt hat. Nach meinem Studium erhielt ich ein Jobangebot bei einem Lichtplaner und habe schnell gespürt, dass mich diese Arbeit sehr erfüllt. Durch meine Ausbildung zum Elektroinstallateur und das anschließende Studium der Elektrotechnik hatte ich das notwendige Wissen erworben, um Lichtkonzepte technisch kompetent umzusetzen. Dies erwies sich als großer Vorteil, denn wenn man die technische Ausführung aus dem Effeff beherrscht, eröffnen sich natürlich auch zusätzliche Designfreiheiten. Um diese maximal auszuschöpfen, bedarf es aber auch eines großen gestalterischen Inputs, den ich mir selbst damals gar nicht zugetraut habe. So entstand der Wunsch, von Anfang an mit kreativen Partnern zusammen zu arbeiten. Im Jahr 1991 gründete ich dann mit zwei Kollegen, einem Industriedesigner und einer Architektin, in Bonn und Berlin das Büro Licht Kunst Licht.

 

ANDREA RAYHRER: Ein Wortspiel, das neugierig macht und zunächst auch ungewohnt war. Was verbirgt sich dahinter?

 

ANDREAS SCHULZ: Die Erklärung ist viel einfacher, als man vielleicht denkt. Unsere ersten Planungsaufträge waren Kunstlichtprojekte. Mit unserer Firmenbezeichnung wollten wir zum Ausdruck bringen, dass wir nicht nur Kunstlicht, sondern auch künstlerisch ambitioniert planen. Wir sehen uns nicht als Lichtkünstler, haben aber einen hohen künstlerischen Anspruch. Deshalb wünschten wir uns, auch das Wort Kunst in unserem Titel zu führen. Daraus ist dann dieses Wortspiel Licht Kunst Licht entstanden, das auch mit unserem Logo zu tun hat, indem das Wort Kunstlicht in einem Kreis geschrieben wird. Um ganz ehrlich zu sein, der Name war für uns selbst am Anfang auch etwas gewöhnungsbedürftig.

 

ANDREA RAYHRER: Inzwischen ist der Name als Markenzeichen etabliert, und das Büro hat in mehr als 700 nationalen und internationalen  Projekten mitgearbeitet. Wie verteilen sich die Aufgaben zwischen den beiden Bürostandorten?

 

ANDREAS SCHULZ: Ursprünglich war das Berliner Büro für lokale und regionale Projekte in Berlin verantwortlich, während Bonn von Anfang an  national und international gearbeitet hat. Mittlerweile hat sich das geändert, da Berlin sehr international geworden ist und viele Architekten von dort aus in der ganzen Welt arbeiten. Auch die Arbeitsstruktur ist an beiden Standorten gleich. Neben Architekten, Lichtdesignern und Lichttechnikern haben wir Innenarchitekten und Elektroingenieure im Haus. Ein eigenes Team beschäftigt sich ausschließlich mit dem Thema Tageslicht. Daneben verfügen wir über eine Abteilung Industrie- und Leuchtendesign. Je nachdem, welche  Anforderungen ein Projekt hat, vereint es Mitarbeiter aus den verschiedenen Disziplinen und aus beiden Standorten. Es gibt allerdings auch Konstellationen, die sich etabliert haben und häufig zusammen an gleichen Projekten arbeiten.

 

ANDREA RAYHRER: Aus dem dreiköpfigen Gründungsteam ist heute ein 26 Mitarbeiter starkes Unternehmen geworden. Sind Kollegen von damals auch heute noch dabei?

 

ANDREAS SCHULZ: Thomas Möritz hat von der Stunde Null an mitgewirkt. Seither haben wir zusammen alle Höhen und Tiefen des Planens erlebt. Viele Dinge, die uns bekannt und berühmt gemacht haben, stammen aus seiner Feder. Wir haben im Laufe der Jahre eine Art symbiotischen Kommunikationsstil entwickelt. Dabei inspirieren sich verbale und formgebende Intuition auf eine sehr produktive Weise. Ich hoffe, dass dieser besondere kreative Austausch und unsere intensive Zusammenarbeit noch lange andauern. Aber es gibt natürlich auch viele andere Kollegen, die schon viele Jahre hier arbeiten, sie sind sozusagen im zweiten Schritt dazu gekommen – seit rund 20 Jahren zum Beispiel   Stephanie Große-Brockhoff, Edwin Smida und unsere Büromanagerin Bahia Loutfi.

 

ANDREA RAYHRER: Beim Durchblättern des hier vorliegenden vierten Werkberichtes nehmen die von Staab Architekten geplanten Projekte einen großen Raum ein.

 

ANDREAS SCHULZ: Ja, Volker Staab und sein Team sind unsere Wegbegleiter seit der Gründung des Büros. Mit Selbstbewusstsein und großer Gestaltungssicherheit entwirft er Architektur und bindet uns häufig schon während seiner ersten Ideenskizzen mit ein. Für das Kunstmuseum  Ahrenshoop hat er beispielsweise einen Architekturentwurf präsentiert, der eigentlich ein Lichtentwurf ist – in der Gewissheit, mit uns einen Partner zu haben, mit dem er das Konzept umsetzen kann.

 

ANDREA RAYHRER: Du bist als ‚Frontmann‘ von Licht Kunst Licht sehr gefragt und fast immer unterwegs. Wie gelingt es dir dabei, die beiden Büros erfolgreich zu managen?

 

ANDREAS SCHULZ: Bei uns gibt es keine eigenen Abteilungen, die sich mit Marketing-, Akquise- oder Angeboten beschäftigen, wie man es bei einem Büro dieser Größe vielleicht vermuten könnte. Ich versuche, die Organisation möglichst flexibel und effektiv zu halten sowie  Aufgaben mit möglichst wenig Hierarchie und Überbau zu bearbeiten. Natürlich hinterlässt das manchmal auch die eine oder andere Lücke – aber mir ist eine bewusst gesteuerte Anarchie im Büro heilig und wichtig. Wir nehmen lieber mal einen kleinen Umweg in Kauf, als dass ich für jede Gegebenheit eine neue Regel erfinde.

 

ANDREA RAYHRER: Glaubst du an die Idee vom schöpferischen Chaos?

 

ANDREAS SCHULZ: Ganz sicher ist unser Büro hoch kreativ. Entwurfsstärke und unkonventionelles Denken, das zu Innovationen führt, zähle ich ebenfalls zu den Tugenden unseres Teams. Wir haben Spaß daran, schwierige Aufgaben temperamentvoll zu bearbeiten. Es ist nie langweilig bei uns, das ist sehr wichtig. Aber zwei andere Bausteine unserer Leistungsfähigkeit heißen Struktur und Sorgfalt. Sie sind unabdingbar, um kreative Ideen in die Realität zu überführen. Ich würde sagen, manchmal sind wir geradezu preußisch in unserer Herangehensweise.

 

ANDREA RAYHRER: Greifen das kreative Chaos und die preußische Strukturiertheit im Arbeitsalltag entspannt ineinander oder braucht es an ihrer Nahtstelle viel Mediation?

 

ANDREAS SCHULZ: Also für mich gibt es da ehrlich gesagt gar keinen Konflikt. Ich bin ein Kind Berliner Eltern, dann selbst aber im Rheinland groß geworden. Bestimmt waren preußische Tugenden ein angemessener Teil meiner Erziehung, aber ich habe ebenso viel rheinische Mentalität aufgesogen. Wahrscheinlich habe ich beides in mir – rheinische Leichtigkeit ebenso wie preußische Genauigkeit – bleibt nur zu hoffen, dass die Mischung gut zu ertragen ist ... (schmunzelt).

 

ANDREA RAYHRER: Du hattest nach deinem Studium die Chance, bei einem der Lichtdesign-Pioniere in die Schule zu gehen. Hat die Arbeit im Büro von Hans T. von Malotki deine Karriere beeinflusst?

 

ANDREAS SCHULZ: Er war sicherlich einer der Pioniere in der architektonischen und gestalterisch ambitionierten Lichtplanung. Gemessen an der damals eher unüblichen Einschaltung eines Lichtplaners hat er sich selbstbewusst weit in die Architektur hinein gewagt. Kurioserweise war Malotki auch Elektroingenieur. Das ist bemerkenswert, da den Ingenieuren oftmals unterstellt wird, sie hätten für das Gestalterische  nicht die richtige Ausbildung. Hans T. von Malotki hat – wie viele andere erfolgreiche Lichtgestalter übrigens auch – eindrucksvoll bewiesen, dass dem nicht so sein muss. Ich bin dankbar für alles, was ich in seinem Büro lernen konnte.
Aus stilistischer  Sicht war es eine Zeit der großen Gesten: Ettore Sottsass und Memphis, die Postmoderne, Hans Hollein und das Museum  Abteiberg. Hier ging es auch darum, große Statements zu setzen. Ich habe das mit großem Interesse beobachtet, mich in diesen Ideen aber nicht zuhause gefühlt.  Schon sehr früh identifizierte ich mich mit der nicht dekorativ, sondern eher rational orientierten, der  Architektur verpflichteten Lichtplanung. Die Zeit war offenbar reif für dieses Konzept und bis dato hatte es noch niemand besetzt. Mut zur stilistischen Innovation und gutes Timing waren sicher zwei wesentliche Erfolgsfaktoren für unser Büro.

 

ANDREA RAYHRER: Licht Kunst Licht bedient aber nicht ausschließlich diese rationale, mit der Architektur verhaftete Lichtplanung. Es gibt aus eurem Büro auch Leuchtendesigns mit fast skulpturalem, aber zumindest Objektcharakter oder interaktive Medienfassaden.

 

ANDREAS SCHULZ: Ja, das stimmt. Wir haben auch Leuchten bzw. Lichtlösungen entwickelt, die eine durchaus selbstbewusste Präsenz im Raum zeigen. Die Frage ist letzten Endes, was die Architektur braucht. Außerdem ist die Vielfalt der von uns bearbeiteten Projekte über die Jahre gewachsen. So planen wir heute u. a. ambitionierte Hospitality-Projekte, wie zum Beispiel 6-Sterne-Plus-Resorts in der ganzen Welt. Dort sind neben der Lichtwirkung auch Leuchten als gestalterische Elemente gefragt. Wir entwickeln aber auch ganz nüchterne Museumsprojekte, bei denen es tatsächlich nur um das dienende Medium Licht geht – sowohl Tages- als auch Kunstlicht. Und wir erarbeiten  große städtebauliche Planungen ganzer Quartiere. Vieles davon gab es in dieser Form früher nicht – eben auch keine Medienfassaden; und mit einer Medienfassade zu arbeiten, ist eine sehr kräftige gestalterische Aussage.

 

ANDREA RAYHRER: Du gibst dein Wissen und deine Erfahrungen an Studenten weiter und bist Professor für Lighting Design an der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim. Was sind die wichtigsten Ratschläge an den Berufsnachwuchs?

 

ANDREAS SCHULZ: Als Verantwortlicher für den gestalterischen Part lege ich neben der Vermittlung des grundlegenden Handwerkszeugs auch viel Wert darauf, Methoden zu lehren. Systematisch einen Entwurf zu erarbeiten, sich kritisch mit der Architektur auseinandersetzen, sie tatsächlich verstehen – das ist mir sehr wichtig. Außerdem sorge ich für den nötigen Praxisbezug und biete Projekte an, die wir – oft zeitgleich – in unserem Büro bearbeiten.
Meine Ratschläge an den Nachwuchs ...? – Nun ja, bei allem Gestaltungswillen ist profunde technische Kompetenz für den Erfolg als Lichtplaner unverzichtbar, eine zunehmend wichtige Rolle spielt die Steuerungstechnik. Auch würde ich jeden Berufseinsteiger ermutigen, vor dem Start in die Selbständigkeit ausreichende Erfahrungen als Mitarbeiter in einem Lichtplanungsbüro oder der Industrie zu sammeln.

 

ANDREA RAYHRER: Was fasziniert dich an dem Medium Licht?

 

ANDREAS SCHULZ: Licht bietet unendlich viele Möglichkeiten. Eine engagierte Lichtplanung gestaltet Architekturen und Räume aktiv mit, das  heißt sie unterstützt ihre Absichten, Atmosphären und Funktionen oder bereichert diese im besten Fall sogar. Die Kosten dafür sind – gemessen an den gesamten Investitionskosten für Architektur, Landschaftsplanung und Städtebau – eher gering. Bei relativ kleinem Budget kann Licht enorm viel bewirken und der Architektur viel Gutes tun. Ich freue mich jedes Mal aufs Neue darüber, wenn unsere Ideen zu einem guten Gesamtergebnis führen. In unserer Buchreihe stellen wir Projekte aus den unterschiedlichsten Bereichen vor, von Museen bis hin zu Verwaltungsgebäuden. Sie alle zeigen, wie integrativ Licht sein kann, aber auch welche unglaubliche gestalterische Kraft von diesem Medium ausgeht.

 

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